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Ästhetik

Wenn die Haut in der Jugend verrücktspielt

iStock.com/PeopleImages

Je früher mit einer geeigneten Akne-Therapie begonnen wird, desto schneller ist der Spuk vorbei.

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Dr. med. Martin K. Kägi

Leitender Arzt, Hautzentrum Zürich

Der grösste Teil an Jugendlichen leidet in der Pubertät mehr oder weniger stark unter Akne. Warum gerade junge Menschen? «Die hormonelle Umstellung», führt Dr. med. Martin K. Kägi, renommierter Schweizer Hautexperte, kurz und knapp als Hauptgrund an.

Obwohl die genauen Wirkungsmechanismen noch nicht klar sind, gilt als unbestritten, dass Hormone eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Akne spielen. In diesem jungen Alter nimmt die Produktion von männlichen Geschlechtshormonen (Androgene) zu, und zwar bei beiden Geschlechtern. Die Talgdrüsen werden angeregt, mehr Talg (Hautfett) herzustellen.

Der Körper muss ein neues Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Hormonen finden.

Unterschiedliche Betroffenheit

Doch nicht alle jungen Menschen trifft es gleich stark, zum Teil bleiben sie sogar ganz von Akne verschont. Letztlich bestimme die individuelle Empfindlichkeit der Talgdrüsen gegenüber den Hormonen das Ausmass der Talgproduktion, sagt der Hautarzt. Und die sei nun einmal unterschiedlich gross, nicht selten auch aus genetischen Gründen.

Früher mussten sich Jugendliche anhören lassen, sie sollten zwecks Akne-Vermeidung keine Schokolade essen. Gemäss Kägi ist das ein Mythos. Einige Nahrungsmittel wie Schokolade könnten bestehende Akne-Probleme aber möglicherweise noch leicht verstärken. Ganz grundsätzlich sei das Essverhalten jedoch nie die Ursache von Akne, ebenso wenig Nikotin oder Alkohol.

Hingegen könne bei gewissen Medikamenten wie Hormonpräparaten ein Wirkungszusammenhang bestehen, erklärt der Arzt. Kägi erinnert etwa an das Phänomen der Bodybuilder-Akne. Dass Bodybuilder häufiger Probleme mit Akne und Pickel haben, dürfte auch daran liegen, dass beim Muskelaufbau der Testosteronspiegel stark ansteigt. Testosteron ist ein Androgen. Und Androgene regen die Talgdrüsentätigkeit an.

Und Stress? Stress, auch Disstress sei sicher nicht verantwortlich für die Bildung von Akne, gibt sich Kägi überzeugt. Psychische Faktoren wie Stress könnten allerdings Akne verschlimmern, weil Stress einen Einfluss auf die hormonelle Situation habe.

Wann zum Arzt?

Ein Trost: Jungen Menschen, die unter Akne leiden, kann immerhin gut geholfen werden. Es gibt heutzutage erfolgversprechende Therapien. Wichtig ist nach Meinung von Kägi vor allem eines: «Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser ist Akne heilbar.» Es gebe keine hoffnungslosen, sondern nur unbehandelte Fälle.

In der Medizin erfolge eine Abstufung in milde, mässige, schwere und sehr schwere Akne. Wer mit diesem Problem zum ersten Mal konfrontiert werde, sollte am besten gleich zu Beginn eine ärztliche Fachperson aufsuchen und den Hautbefund (Pickel, Zysten, Fisteln, Narben) grundsätzlich beurteilen lassen, rät Kägi – also auch bei einer von Betroffenen selbst als leicht eingestuften Akne. Möglicherweise sei die Akne doch gravierender als der visuelle Eindruck. Nur Fachleute könnten eine eindeutige Diagnose machen.

Je nach Schweregrad gebe es verschiedene Therapieoptionen mit Medikamenten. In harmloseren Fällen genügten in der Regel dermatologische Lokaltherapie und angepasste, nicht rezeptpflichtige Produkte in Apotheken oder Drogerien. 

Aber auch selber könne man einiges unternehmen, um die Lage nicht noch zu verschlimmern. Ein Tabu sollte nach Ansicht von Kägi das Ausdrücken von Pickeln sein. Die Akne-Bildung drohe sich dadurch nur zu verschlimmern, und es könnten Narben zurückbleiben. Ratsam sei auch das tägliche Waschen mit einem hautfreundlichen Reinigungsmittel, wenn möglich mit neutralem PH-Wert.

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