Home » Unsere Jugend » «Über Umwege zum Erfolg»
Gleichberechtigung

«Über Umwege zum Erfolg»

Sandra Luber braucht als Chemie-Professorin in einer Männerdomäne einen langen Atem.

avatar

Prof. Dr. Sandra Luber

SNF-Professorin in theoretischer und computerbasierter Chemie

Als Professorin am Institut für Chemie der Universität Zürich sind Sie eine Ausnahme. Ein Armutszeugnis für die Schweiz?

Dass Frauen im MINT-Bereich in höheren Positionen unterrepräsentiert sind, ist nicht nur in der Schweiz ein Problem. Mein Forschungsgebiet ist die theoretische/computerbasierte Chemie. Hier gibt es noch weniger Frauen als in anderen Gebieten der Chemie.

Wie hat sich die Situation seit Ihrem Einstieg in die Forschung entwickelt?

Die Situation hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwas verbessert. Heutzutage ist man zum Beispiel mehr auf das Thema sensibilisiert. Es gibt Mentoringprogramme und der politische Druck ist höher als zu Beginn meiner Forscherkarriere. Trotzdem hakt es oft noch, vor allem an wichtigen Stellen. Es herrscht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.

Immer noch interessieren sich Mädchen und junge Frauen weniger für den MINT-Bereich. Warum?

Das ist wohl eine Mischung diverser Faktoren und hat vermutlich auch mit Erziehung und vorherrschenden Klischees zu tun. Ich selbst bin über Umwege zur Chemie gekommen.

Mir wurde geraten, als Frau schnell einen sicheren Beruf zu ergreifen. Deshalb arbeitete ich zu Beginn meiner Laufbahn als Verwaltungsbeamtin. Allerdings habe ich mich schon nach kurzer Zeit für ein Chemiestudium entschieden.

Physik fand ich spannend, traute es mir damals aber nicht zu. Im Laufe des Studiums habe ich mich dann aber doch in die physikalische Chemie vertieft. Letztlich bin ich bei den sehr genauen quantenmechanikbasierten Methoden gelandet.

Mit was für Themen und Problemen haben Forscherinnen dieser Fächer im Alltag zu kämpfen?

Vorweg: Auch Männer haben Probleme. Ich selbst habe an mehreren Orten Unerfreuliches erlebt. So haben männliche Kollegen versucht, mich als inkompetent hinzustellen, mir Informationen vorenthalten, mich nicht angemessen an Forschungserfolgen beteiligt. Eine wichtige Rolle spielt zudem das von Männern dominierte Netzwerk, in dem man als Frau nicht so leicht einbezogen und akzeptiert wird. Ganz abgesehen davon ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine grosse Herausforderung.

Welchen Tipp geben Sie jungen Frauen, die sich für MINT-Fächer interessieren?

Sie sollten sich auf keinem Fall von einer Karriere in diesem Gebiet abschrecken und sich auch nicht von ihrer Umgebung davon abbringen lassen. Wenn man das tut, was einem Spass macht, dann wird man darin auch gut und erfolgreich sein.

Nächster Artikel