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Lehrlingslohn: Wie die Finanzen im Griff behalten?

Lehrlingslohn, lehrling lohn, geld sparen
Lehrlingslohn, lehrling lohn, geld sparen
iStock.com/s:Massonstock

Im August beginnen tausende von Jugendlichen eine Lehre und treten somit ins Erwerbsleben ein. Bald erhalten sie den ersten Lohn, der einiges mehr sein wird als das Sackgeld zur Schulzeit. Und sie werden sich wundern, wie schnell das Geld weg und das Konto leer ist.

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Esther Mogicato

Geschäftsführerin
Budgetberatung Schweiz

Der richtige Umgang mit Geld will gelernt sein. Denn je höher die Finanzkompetenz, desto weniger tappen Jugendliche in die Schuldenfalle. Gefahren gibt es viele: Wir leben in einer Konsumgesellschaft, die Begehrlichkeiten permanent weckt. Schuldenprävention beginnt deshalb mit dem richtigen Umgang mit Geld. Dieser wird gemäss einer Studie der Hochschule Luzern von 2013 durch Faktoren wie Selbstvertrauen, die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben, und Selbstkontrolle unterstützt.

Finanzielle Verantwortung übernehmen

Das Gesetz schreibt vor, dass das selber verdiente Geld den Lernenden gehört. Sie können ihren Lohn selbst verwalten und nutzen. Nutzen heisst jedoch auch, dass sie so weit wie möglich für die eigenen Ausgaben selber aufkommen müssen.

Eltern sind gemäss Schweizerischem Zivilgesetzbuch (ZGB) zwar verpflichtet, bis zur Vollendung der Erstausbildung für den Unterhalt des Kindes aufzukommen – inbegriffen die Kosten von Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen. Sie können aber verlangen, dass die Jugendlichen einen angemessenen Beitrag an ihren eigenen Unterhalt leisten.

Wie die Finanzen genau aufgeteilt werden, muss jede Familie für sich selbst aushandeln. Da dies nicht immer einfach ist, kann eine Beratung auf einer Fachstelle hilfreich sein.

Vorausplanen

Bereits vor Antritt des neuen Lehrjahres können Jugendliche mit ihren Eltern ein einfaches Budget erstellen. Zunächst werden alle anfallenden Kosten der kommenden Monate aufgelistet, sprich Fahrkosten, auswärtige Verpflegung, Krankenkasse, Schulmaterial, Kleider, Schuhe, Kosmetika, Handy, Taschengeld, Ausgang etc.

Dies schafft einen Überblick, was alles aus dem Lehrlingslohn bezahlt werden kann. Gerade am Anfang des Berufsschuljahres fallen verschiedene Kosten an – zum Beispiel für Schulbücher –, die sich mit dem Lehrlingslohn allein nicht decken lassen und für die in der Regel die Eltern einspringen. Zu Beginn der folgenden Lehrjahre muss die Abmachung jeweils neu ausgehandelt werden.

Denn je höher der Lehrlingslohn, umso mehr können die Jugendlichen finanzielle Verantwortung übernehmen. Und da sie oft noch zu Hause wohnen, dürfen ihre Eltern auch einen angemessenen Beitrag für Kost und Logis verlangen, sofern das Geld dafür ausreicht. 

Schulden vermeiden

Ein gut aufgestelltes und realisierbares Budget ist die beste Schuldenprävention. Damit sich dies umsetzen lässt, braucht es Eigenverantwortung. Dazu sollten sich die Jugendlichen vor einer Kaufentscheidung immer folgende Fragen beantworten: «Kann ich es mir leisten? Brauche ich das wirklich?» Nicht immer decken sich Wunsch und Kontostand – verzichten und warten zu können, ist eine gute Schuldenprävention.

Eine weitere Möglichkeit für eine bessere Geldkontrolle ist das Einrichten von zwei Post-/Bankkonten: einem Lohnkonto für laufende Einnahmen und Ausgaben und einem Sparkonto für Rückstellungen. Vorsicht vor Kartenzahlungen: Sie sind zwar praktisch, aber auch gefährlich. Besser ist es, möglichst bar zu bezahlen und nur wenig Bargeld mitzuführen.

Weitere Tipps:

  • Mittagessen selbst richten und zur Arbeit mitnehmen.
  • Kein Geld von anderen oder an andere ausleihen.
  • Handy: Prepaid statt Abo, Abo mit Gebührenlimite oder Flatrate. Handy secondhand kaufen.
  • Jugendangebote nutzen, nach Spezialpreisen für Lehrlinge fragen.
  • Preise vergleichen.
  • Trendige Kleidungsstücke secondhand kaufen.
  • Ausgang: Es muss nicht immer ein teurer Klub sein.
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