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«Im Herzen möchte man seine Kinder am liebsten ein Leben lang beschützen»

familie zindel, zindel
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zVg

Kinder durch die Pubertät zu begleiten und sie loszulassen, gehört zu den grössten Herausforderungen für Eltern. Gabriela und Andreas haben fünf Kinder im Alter zwischen 14 und 23 Jahren. Sie erzählen im Interview, wie sie diese Zeit erleben.

Gabriela und Andreas, eure Kinder sind heute erwachsen beziehungsweise im Teenageralter. Wie habt ihr das Elternsein rückblickend erlebt?

Andreas: Als Jael zweieinhalb und Silas ein Jahr alt waren, haben wir ein Schülerwohnheim in Singapur übernommen. Wir betreuten insgesamt 13 Schulkinder und hatten immer Teenager, eine Mitarbeiterin aus der Schweiz und eine Haushaltshilfe im Haus. Unsere anderen drei Kinder wurden in diese Grossfamilie hineingeboren.

Gabriela: … deshalb wissen wir gar nicht, wie es ist, eine «Kleinfamilie» zu haben. Als wir in die Schweiz zurückkehrten, war die Älteste zwölf und der Jüngste eineinhalb Jahre alt. Diese Zeit empfand ich als besondere Herausforderung. Andreas war plötzlich den ganzen Tag ausser Haus und ich alleine mit den Kindern. Wir mussten einen neuen Weg als Familie finden und uns neu definieren.

War es schon immer euer Wunsch, eine Grossfamilie zu gründen?

Gabriela: Grossfamilie ist relativ. Ich habe zwölf Geschwister, Andreas fünf …

Andreas: Die Liebe zur Familie liegt bei uns in der DNA und wir haben uns immer viele Kinder gewünscht. Zum Glück hat es geklappt.

Der Übergang von der Kindheit zur Jugend ist eine anspruchsvolle Phase und zehrt oftmals an den Kräften der Eltern …

Andreas: … wir wissen nicht, wovon du sprichst …(lacht). Im Ernst; natürlich gab es auch bei uns kleinere und grössere Probleme und Reibereien. Allerdings hielten sich diese relativ in Grenzen und ich würde sagen, wir haben durchschnittliche pubertäre Phasen mit unseren Kindern durchlebt.

Gabriela: Für mich als Mutter war vor allem jene Phase schwierig, als die Kinder begannen sich nach aussen zu orientieren und wir nicht so genau wussten, was sie machen. Wir mussten lernen, loszulassen und ihnen zu vertrauen. Das ist auch für die Eltern ein Prozess und birgt Konfliktpotenzial. Im Herzen möchte man seine Kinder doch am liebsten ein Leben lang beschützen.

Andreas: Wir haben unseren Kindern immer gesagt: Wir vertrauen euch, dass ihr den richtigen Weg geht. Unser Glaube an Jesus hat uns dabei geholfen.

Eure Kinder leben alle noch zu Hause. Wo gibt es das grösste Konfliktpotenzial?

Gabriela: Man mutiert zu einer WG, gleichzeitig ist man jedoch eine Familie. Das ist ein bedeutender Unterschied. Wir wollen nicht eine WG sein, in der jeder sein Ding macht, sondern wir möchten uns die Verbindlichkeit als Familie bewahren. Hier eine Balance zu finden, ist nicht immer einfach. Gleichzeitig sehe ich bei unseren erwachsenen Kindern auch immer wieder Dinge, die ich nicht unbedingt gut finde. Mir stellt sich dann die Frage: Soll ich meinen Sorgen Ausdruck verleihen oder sage ich nichts.

Andreas: Gabriela und ich sind beide früh ausgezogen. Unsere Eltern haben auch nicht gefragt, was wir so alles machen … Somit müssen auch wir uns immer wieder zurücknehmen.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft eurer Kinder?

Gabriela: Ich wünsche mir, dass jedes unserer Kinder seinen Platz im Leben und in der Gesellschaft findet, in der es eine positive Wirkung auf sein Umfeld entfalten kann.

Andreas: Das Wichtigste ist, dass sie glücklich und gewurzelt sind. Als Eltern werden wir ein Leben lang für sie da sein und sie lieben.

Freut ihr euch auf die Zeit, wenn ihr als Paar wieder mehr Raum habt?

Andreas und Gabriela: Realistischerweise wird es noch ungefähr zehn Jahre dauern, bis unser Jüngster aus dem Haus ist. Deshalb ist dieser Gedanke noch relativ weit weg von uns. Natürlich haben wir schon Ideen, was wir als Paar alles machen werden, wenn wir unabhängig sind. Bis es allerdings so weit ist, geniessen wir noch unser Familienleben.

Andreas: Wir haben immer gesagt: Was immer wir machen, wir tun es zusammen. Gabriela und ich sind ein starkes Team.

Jael Zindel (23)

Nach der Sekundarschule habe ich mich für eine Ausbildung zur Reisekauffrau entschieden. Nach einigen Jahren in diesem Bereich werde ich im August ein Jahrespraktikum in einem Kinderheim beginnen mit dem Ziel, die Ausbildung zur Sozialpädagogin zu absolvieren. Als Ausgleich zu meinem beruflichen Alltag treibe ich gerne Sport (Crossfit-Box/Bootcamp), verbringe Zeit mit meinen Freunden und selbstverständlich mit meiner besseren Hälfte. Ich liebe es, mich beim Dekorieren, Gestalten, Basteln und neu auch Backen kreativ zu entfalten. Meine Leidenschaft ist das Reisen. Mein Ziel war es, dieses Jahr in meine eigenen vier Wände zu ziehen. Da ich mich jedoch beruflich umorientiere, wird dies finanziell vorläufig nicht möglich sein.

Silas Zindel (22)

Ich habe eine Ausbildung als Gestalter Werbetechnik gemacht. Nach der Lehre bin ich direkt in die RS. Obwohl das Militär teils ein ziemlicher Stress war, genoss ich meine Ausbildung als Panzerfahrer mit meinen Kameraden. Ich investiere viel Zeit ins Fotografieren und habe mir das Hobby zum Nebenberuf gemacht. In meine berufliche Zukunft möchte ich das Fotografieren gerne einbeziehen. Im Moment bin ich deshalb auf der Suche nach einer geeigneten Ausbildung dazu. Ich verbringe gerne Zeit mit Freunden und liebe es, gemeinsam mit ihnen etwas zu unternehmen.

Calvin Zindel (20)

Ich habe soeben die Lehre als Landschaftsgärtner abgeschlossen und werde im September ein Theologiestudium am ISTL (International Seminary of Theology and Leadership) beginnen. In meiner Freizeit treibe ich viel Sport, etwa Fussball, Eishockey, Volleyball oder Tennis, und bin gerne mit Freunden unterwegs. Ich singe, musiziere und tanze gerne und verbringe viel Zeit in der Natur. Meiner Familie stehe ich sehr nahe und sie ist mir extrem wichtig. Gleichzeitig habe ich einen engen Freundeskreis im Cevi Gossau. Ich habe eine Freundin, die ich sehr schätze und liebe. Mit ihr blicke ich in eine weitere Zukunft. Meine Ziele? Ich möchte mein Leben für Gott einsetzen, egal wo es mich hinführt.

Micha Zindel (18)

Zurzeit bin ich im dritten Ausbildungsjahr meiner Lehre als Automobilmechatroniker für Nutzfahrzeuge. Parallel dazu besuche ich die Berufsmaturitätsschule in Zürich. In meiner Freizeit mache ich Musik am Klavier oder an der Gitarre. Auch unternehme ich gerne etwas mit meinen Freunden. Herausforderungen bietet die Lehre in Kombination mit der BMS und der Berufsschule. Das Arbeiten und das gleichzeitige Lernen sind oft anstrengend und ich muss auf einige Freizeit verzichten. Zu meinen nächsten Zielen gehören eine erfolgreiche Lehrabschlussprüfung sowie danach die RS zu absolvieren. Meine Träume? Ich möchte die Welt bereisen, heiraten und eine Familie gründen.

Levi Zindel (14 Jahre alt)

Ich mache allgemein gerne Sport, besonders aber Unihockey im Cevi Gossau. Zu meinen weiteren Interessen gehören Musik, Singen, Lesen und Freunde treffen. Mein Ziel im Leben ist es, einen Beruf als Schreiner zu erlernen und später eine Familie zu gründen. Zudem möchte ich die Welt entdecken und träume davon, Unihockey-Grossfeld-Spieler zu werden. In neue, ungewohnte Umgebungen wie etwa in eine neue Schulklasse oder ein Camp mit unbekannten Menschen einzusteigen, empfinde ich als Herausforderung. Ich bin Mitglied in einer Band und viel mit meinen Brüdern unterwegs. Was ich cool an meiner Familie finde? Wir haben einen starken Familienzusammenhalt.

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