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«Ich wollte eigentlich gar nicht Influencer werden»

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Möglichst viele Abonnenten haben, um sie zum Lachen zu bringen, sei sein Ziel, sagt Gabirano Guinand (19).

Welche Ausbildung hast du abgeschlossen oder absolvierst du zurzeit?

Keine. Ich habe keinen Abschluss. Ich habe das Gymnasium angefangen und nicht abgeschlossen.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Sehr unterschiedlich. Manchmal muss ich ganz früh aufstehen, manchmal später. Normalerweise stehe ich gegen 9 Uhr auf und starte in den Tag. Was ich ziemlich cool finde, ist, dass ich oft meinen Tag selbst gestalten kann. In einer «Busy-Woche» gehe ich von Ort zu Ort und renne herum.

Aber auch das mag ich. Gerade an den Wochenenden ist am meisten los. Da habe ich viele Auftritte und Partyhostings und den Tag über filme ich. Deshalb ist bei mir oft am Montag und Dienstag Erholung angesagt.

Grundsätzlich sehr wichtig ist für mich, dass ich täglich aus dem Haus gehe, auch wenn ich nichts zu tun habe.

Da hole ich mir meine Inspiration für Videos. Ich schreibe mir alles auf und versuche jeden Tag, ein Video zu machen.

Ab wann war dir klar, dass du Influencer werden willst?

Ich wollte gar nicht Influencer werden. Ich wollte einfach viele Abonnenten haben, um so viele Leute wie möglich zum Lachen zu bringen. Ich wusste damals noch gar nicht, was ein Influencer ist. Das gab es in der Schweiz auch noch nicht.

Wer hat dich dabei unterstützt?

Anfangs, als ich so 3’000 Abonnenten hatte, hat mich «swissgugus» gepusht. Dort wurden innerhalb einer Woche ungefähr zehn meiner Videos hochgeladen. Dadurch gewann ich meinen ersten grossen Schub an Followern.

Natürlich muss ich aber auch meinen Eltern danken, welche mir damals ein Handy gekauft hatten. (lacht)

Ab wann hast du realisiert, dass du Erfolg haben könntest?

Als ich gemerkt hatte, dass ich täglich 100 bis 500 neue Follower gewann. Da wurde mir bewusst, dass ich täglich Videos hochladen muss und aktiv bleiben sollte, damit es so weitergeht. So kam ich dann innerhalb eines Jahres auf 100’000 Follower.

Was für Reaktionen erhältst du von deinem Umfeld, wenn du sagst, dass du von Beruf Influencer bist?

Die meisten reagieren mit Sprüchen wie «So ein Schoggiläbe» oder «Du hast es geschafft», «Das möchte ich auch». Die sehen aber nicht dahinter. Meine Freunde, welche mich miterleben, sehen aber, wie anstrengend dieses Leben auch sein kann.

Beispielsweise war ich vor Kurzem mit einem Freund unterwegs. Ich hatte Auftritte, Hostings, Meetups und war innerhalb von 24 Stunden an rund 6 verschiedenen Orten in der Schweiz unterwegs. Da meinte er dann auch: «Gabirano, dein Leben ist anstrengend.»

Auf welches Erlebnis in deinem Influencer-Leben bist du besonders stolz?

Eigentlich auf alles. Aber am meisten schätze ich, dass ich dadurch rasch zur Stand-up-Comedy gekommen bin und auch von professionellen Leuten unterstützt werde.

Professionelle Comedians, die ein Potenzial in mir sehen: Das ist alles, was ich immer wollte. Bestätigung von Personen, zu denen ich hochschaue. Nicht das Influencer-Sein an sich, sondern, dass man mich auch als Künstler wahrnimmt.

Gabirano

Immer mehr junge Leute brechen ihre Ausbildung ab, um alles auf die Influencer-Karte zu setzen. Welchen Ratschlag würdest du ihnen geben?

Ich habe die Schule nur abgebrochen, weil es mit meiner Influencer-Karriere sehr gut lief. Ich habe da schon genug Geld verdient, um davon leben zu können.

Sonst hätte ich die Schule nicht abgebrochen. Ausserdem hatte ich sehr viel Selbstvertrauen und war überzeugt davon, dass ich es schaffen kann. Es ist bestimmt nicht die schlauste Idee, sozusagen nicht «the save way».

Ich würde jedem in der Schweiz empfehlen, eine Ausbildung abzuschliessen, denn auch ich weiss, dass mein Abbruch eine Dummheit war.

Wie siehst du deine Zukunft als Influencer, aber auch allgemein die Zukunft dieses Berufes?

Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Niemand wusste vor zehn Jahren, dass das kommen wird – oder? Wer hätte damals gedacht, dass man als Schweizer Geld verdienen kann mit schweizerdeutschen Videos? Bendrit hat es uns vorgemacht und mich angespornt.

Ich hoffe auch, dass ich andere Menschen inspirieren kann und es viele neue Talente im Bereich Comedy geben wird. Für mich hoffe ich auf eine Karriere als Comedian. Da möchte ich mich weiterentwickeln. Nicht als Influencer.

Influencer werde ich zwar immer sein, das ist aber nicht mein eigentliches Ziel. Der Fokus liegt auf Stand-up, und das Influencer-Dasein gehört einfach dazu.

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