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Postnatale Depression: Anzeichen, Ursachen und Auswege

Postnatale Depression
Postnatale Depression
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Bis zu acht von zehn Frauen in der Schweiz leiden kurz nach der Geburt ihres Kindes an einem Stimmungstief. Rund 15 Prozent der Mütter sind hingegen von einer ernst zu nehmenden Depression betroffen. Wer die Anzeichen frühzeitig erkennt, kann die Krankheit mit der richtigen Hilfe überwinden.

Über Monate freut man sich auf das Baby. Dann kommt der grosse Moment: Nach den vielen Schwangerschafts- und Geburtsstrapazen kann die frischgebackene Mutter endlich ihr Kind in die Arme schliessen. Das Glück scheint perfekt. Oder vielleicht doch nicht?

Anzeichen erkennen

Bei bis zu 80 Prozent der Mütter kann sich zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt ein Stimmungstief breitmachen. Der sogenannte Babyblues – auch Weintage genannt – ist auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen und vergeht in der Regel nach wenigen Tagen.

Bei bis zu 80 Prozent der Mütter kann sich zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt ein Stimmungstief breitmachen

Bei der postnatalen beziehungsweise postpartalen Wochenbettdepression hingegen treten alle Anzeichen einer depressiven Verstimmung zutage. In der Schweiz sind rund 15 Prozent der Frauen – etwa 12980 pro Jahr – davon betroffen.

Die Mütter fühlen sich nach der Geburt kraftlos und traurig. Sie werden von Versagensängsten und nicht selten auch von Ess- und Schlafstörungen geplagt. Es gelingt ihnen nicht, sich um ihr Baby zu kümmern.

Es kann aber auch sein, dass anfangs alles gut verläuft und die postnatale Depression erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten einsetzt.    

Die Krankheit hat viele Gesichter und verschiedene Schweregrade. Sie kann lange andauern und zuweilen die Form einer Psychose annehmen. Was die wenigsten wissen: Auch Väter können daran erkranken.

Kein Grund, sich zu schämen

Trotz seiner Ernsthaftigkeit hat das Thema erst in den letzten Jahren an Gehör gewonnen. Ein Grund: Ein Grossteil der Frauen und Männer leidet im Stillen vor sich hin, da sie sich für ihre Gefühle schämen.

Viele Betroffene tendieren dazu, die Symptome zu unterschätzen, herunterzuspielen oder gar zu verstecken. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft, dass die Geburt ein glückliches Ereignis zu sein hat, trägt ihren Teil dazu bei.

Ein wichtiger erster Schritt ist die Hilfe zur Selbsthilfe: Lernen, mit der Erkrankung richtig umzugehen, sich nicht dafür zu schämen. Wer die genannten Symptome an sich wahrnimmt, sollte rasch professionelle Hilfe beim Arzt holen.

Denn die Krankheit ist behandelbar. Je früher man mit einer Behandlung einsetzt, desto besser sind die Erfolgsaussichten und desto tiefer fallen die Gesundheitskosten aus.

Hilfe auf mehreren Ebenen

Eine postnatale Depression ist für gewöhnlich auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Die Ursachen können genetischer, hormoneller oder psychischer Natur sein. Es könnte auch eine schwierige Schwangerschaft oder ein traumatisches Geburtserlebnis dahinterstecken.

Der jeweilige individuelle Ursachen-Mix verlangt entsprechend eine Behandlung, die auf verschiedenen Ebenen ansetzt. Auch Angehörige, allen voran der Partner der erkrankten Frau, tragen eine entscheidende Rolle im Heilungsprozess.

Durch Zuhören, viel Zuneigung, Geduld und Verständnis kann der Lebenspartner viel bewirken.

Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch er selbst mit der neuen Situation (Kind und Krankheit) unter grossem Druck steht und vielleicht selbst auf Hilfe aus dem Umfeld angewiesen ist.

Text: Catherina Bernaschina

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