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Familie und Beruf unter einen Hut bringen – wie geht das?

mutter und karriere, mutter und arbeit, work life ballance
mutter und karriere, mutter und arbeit, work life ballance
iStock.com/vadimguzhva

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist für Frauen nach wie vor mit hohem Aufwand verbunden. Es müssten hierfür bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden.

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Kathrin Bertschy

Co-Präsidentin Alliance F, Nationalrätin Grünliberale

Der Weg vom Paar zur Familie – was bedeutet diese Entscheidung heute für Frauen?

Einen spannenden Beruf und gleichzeitig Familie zu haben, das ist für Männer längst eine Selbstverständlichkeit. Für Frauen sind Beruf und Familie aber immer noch weit schwieriger zu vereinbaren, und das trotz sehr guter Ausbildungen und dem Wunsch, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Die Rolle der Kinderbetreuung kommt in der gesellschaftlichen Wertung nach wie vor sehr einseitig den Frauen zu – das sieht man auch daran, dass die Schweiz als eines der einzigen europäischen Länder eine Mutterschaftsversicherung und keinerlei Elternschafts- oder Vaterschaftsurlaub kennt.

So wird eine traditionelle Rollenteilung sehr rasch eingespurt.

Wie sieht die Kinderbetreuung im Alltag von berufstätigen Eltern aus?

Die familienexterne Kinderbetreuung ist in der Schweiz nach wie vor sehr teuer. Tagesschulen sind längst nicht überall vorhanden und eine Erwerbstätigkeit lohnt sich für die zweitverdienende Person aus steuerlichen Gründen kaum.

Will eine Frau beruflich Karriere machen, braucht es einen sehr bewussten Entscheid und den täglichen Einsatz beider Partner.

Was bedeutet ein später Wiedereinstieg von Frauen im Berufsleben?

Spurt sich eine traditionelle Rollenteilung ein, ist ein späterer Wiedereinstieg von Frauen ins Berufsleben mit viel Mühe verbunden. Was sich viele Frauen nicht bewusst sind: Ein Mann ist keine Altersvorsorge.

Bei Paaren, die sich trennen, sind die Frauen im Alter häufig von Armut betroffen. Und selbst wenn sie zusammenbleiben, erhält die Frau nur eine Teilrente. Das sind die unschönen Folgen der wirtschaftlichen Abhängigkeit.

Was müsste geschehen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern?

Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen hinsichtlich Infrastruktur – mehr und bezahlbarere Kinderbetreuungsmöglichkeiten, wie das in anderen Ländern längst selbstverständlich ist. Wir sollten das Steuersystem ändern, sodass Paare getrennt und nicht gemeinsam besteuert werden.

So entgehen Frauen der Progressionsfalle. Und wir brauchen Sozialsysteme, die beide Geschlechter in die Verantwortung nehmen. Beispielsweise sollen auch Männer nach der Geburt eines Kindes einen Vaterschaftsurlaub erhalten können.

Diese Massnahme sensibilisiert Väter in ihrer Rolle und zeigt, was es heisst, den Familienalltag zu meistern.

Welchen Einfluss haben externe Kinderbetreuungen auf die Entwicklung von Kindern?
Es ist schon lange bekannt, dass Kindertagesstätten die kognitive und emotionale Entwicklung fördern und Kinder im Umfeld von anderen Kindern soziale Kompetenzen erwerben können.

Diese positiven Eigenschaften werden in der Schweiz zu wenig hervorgehoben. Noch immer wird unterschwellig ein schlechtes Gewissen verbreitet, wenn Kinder nicht nur zu Hause, sondern auch in einer Kindertagesstätte betreut werden.

Frauen seien in ihren Berufen unterbeschäftigt, heisst es …?
Genau, die Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen, dass elf Prozent der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz gerne mehr arbeiten würden, dies aus den verschiedensten Gründen aber nicht können.

Weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen oder es sich finanziell nicht lohnt.

Damit wird das Potenzial der Frauen auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht ausgeschöpft. Das ist wirtschaftspolitisch problematisch, in Zeiten, wo wir über eine Beschränkung von ausländischen Fachkräften diskutieren und viel Geld ausgeben, um das inländische Arbeitskräftepotenzial besser zu mobilisieren.

Es wäre einfach. Die Hebel müssen einfach an verschiedenen Orten angesetzt werden, um insbesondere die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Text: Sinnika Jenni

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