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Gesundheit

Diagnose «Altersleukämie»

altersleukämie
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Stock.com/Juanmonino

Knapp 500 Menschen erkranken jährlich an der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL), welche oft auch verharmlost als „Altersleukämie“ bezeichnet wird.

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Dr. med. Jeroen Goede

Facharzt für Innere Medizin, Medizinische Onkologie und Hämatologie

Prominentester Fall in der Schweiz ist der ehemalige Trainer der Schweizer Fussball-Nati Köbi Kuhn, welcher 2013 im Alter von 69 Jahren an CLL erkrankte. Ihm geht es heute wieder gut. Doch nicht alle Patienten können jahrelang mit der Erkrankung leben.

Weltweit sterben jedes Jahr rund 75’000 Menschen daran.

Weshalb wird die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) auch als Altersleukämie bezeichnet?

CLL ist die häufigste Leukämieform beim Erwachsenen, welche typischerweise bei Patienten ab einem Alter von 70 Jahren gestellt wird. Das liegt vor allem in der Natur der Blutbildung: Je älter der Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine fehlerhafte Zellteilung im Knochenmark auftritt.

Von CLL sind etwa doppelt so viele Männer betroffen wie Frauen. Hier spielt wahrscheinlich der hormonelle Unterschied zwischen Mann und Frau eine wesentliche Rolle.

Welche Anzeichen  können auf CLL hindeuten?

Bei etwa der Hälfte der Fälle ist es eine Zufallsdiagnose. Der Arzt macht aus anderen Gründen ein Blutbild, bei dem auffällt, dass die Lymphozytenzahl im Blut zu hoch ist. Der Patient hat zu diesem Zeitpunkt keine Symptome und wird, trotz Diagnose, meist über Jahre hinweg keine Therapie brauchen.

Bei Patienten, die schon unter Symptomen leiden, ist die CLL weiter fortgeschritten. Hier sind die CLL-Zellen im Knochenmark bereits ausgedehnter vertreten, was wiederum zu Blutarmut führt.

Die Patienten fühlen sich müde, sind schneller ausser Atem, haben möglicherweise lang anhaltende Lymphknotenschwellungen und weitere unspezifische Beschwerden.

Sie haben eben erwähnt, dass eine CLL oft über Jahre «still» verläuft und keine Therapie notwendig ist. Ab welchem Zeitpunkt muss behandelt werden?

Vorweg: Eine frühzeitige Behandlung einer CLL, also bevor Beschwerden auftreten, bringt gemäss heutigem Wissensstand keine besseren Resultate mit sich und wirkt sich nicht positiv auf den langfristigen Krankheitsverlauf aus.

Die Krankheit kann über Jahre mit einer genügenden Gesamtblutbildung  koexistieren und der Patient hat keine Beschwerden. Erst wenn die Krankheit die gesunde Blutbildung einschränkt und Symptome auftreten, ist eine Therapie indiziert.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Die Standardtherapie ist eine Kombination aus zwei Wirkmechanismen. Einerseits der Immuntherapie und andererseits der klassischen, älteren Chemotherapie. Man spricht hier auch von Immunchemotherapie.

Die überwiegende Mehrheit der Patienten verträgt die Therapie gut und die CLL kann so weit zurückgedrängt werden, dass sie über Jahre hinweg keine Symptome mehr macht. Bei einigen CLL-Formen zeigt diese Therapieform keinen Erfolg und es kommen neue Medikamente zum Einsatz.

Mit diesen können jene Patienten mit bisher sehr schlechter Prognose, welche ungenügend auf die klassische Immunchemotherapie ansprechen, wesentlich besser und auch schonender behandelt werden. Für solche Patienten haben sich dank diesen Möglichkeiten die Aussichten ganz erheblich verbessert.

Bei Diagnosestellung werden die Marker in den CLL-Zellen gemessen. Welchen Nutzen haben diese Informationen für die Mediziner?

Nicht jede CLL ist gleich und anhand der Marker können wir die Prognose beurteilen.

Gleichzeitig können wir sehr viel genauer voraussehen, welche Therapie die besten Erfolgsaussichten hat. Bei einem Rückfall werden diese Marker in der Regel nochmals gemessen.

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