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Allergien – ein häufiges Leiden beim Hund

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iStock.com/edenexposed

Fast jeder fünfte Hund leidet an einer Allergie. Und die Tendenz ist weiter steigend.

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Dr. med. vet. Claudia Nett-Mettler

Dipl. ACVD & ECVD, Expertin für Dermatologie und Allergologie

Können Tiere auch an Heuschnupfen leiden?

Ja, auf jeden Fall! Vor allem bei Hunden ist  bekannt, dass diese unter den klassischen Symptomen von Heuschnupfen leiden können.

Dazu gehören tränende Augen, vermehrtes Niesen, Bindehautentzündungen und Juckreiz. Oftmals sind diese Symptome aber nicht so stark ausgeprägt, dass ein Tierarzt aufgesucht werden muss.

Anders sieht es aus, wenn ein Tier an den sogenannten Hautzeichen einer Allergie leidet …

So ist es. Durch den oftmals starken Juckreiz kratzen, lecken und beissen sich die Hunde vermehrt und es kann zu Haut- und Ohreninfektionen kommen. Die Hunde leiden stark unter dem Juckreiz und es ist wichtig, dass frühzeitig ein Tierarzt aufgesucht wird. 

Eine der häufigsten Ursachen von chronischem Juckreiz ist die sogenannte atopische Dermatitis.  Sie wird durch allergische Reaktionen auf Substanzen aus der Umwelt hervorgerufen (zum Beispiel Hausstaub- und Vorratsmilben, Gräser- oder Kräuterpollen).

Welches sind Faktoren, die zu einer Allergie beim Hund führen können?

Wie beim Menschen auch gehört zu den Ursachen einer Allergie eine genetische Veranlagung. Gewisse Rassen sind deshalb häufiger von Allergien betroffen als andere.

Damit es zur Allergie kommt, muss zudem die Belastung durch Umweltallergene gewährleistet sein.

Bei einem Grossteil der Hunde tritt die Allergie im Alter von ein bis drei Jahren zum ersten Mal auf.

Wie lässt sich eine Allergie beim Hund diagnostizieren?

Anhand der typischen Beschwerden und der Vorgeschichte lässt sich für den Tierarzt relativ einfach beurteilen, ob der Juckreiz durch eine Allergie ausgelöst wird. Die Symptomverteilung ist beim allergisch bedingten Juckreiz sehr typisch.

Dieser tritt hierbei vorwiegend an den Pfoten, im Gesicht, unter den Achseln, am Bauch und an den Schenkeln auf. Zudem zeigen sich oftmals Ohrenentzündungen.

Was empfehlen Sie, wenn eine Allergie vermutet wird?

Die Diagnose «atopische Dermatitis» ist eine klinische Diagnose beziehungsweise eine Ausschlussdiagnose. Wenn Vorgeschichte und klinische Symptome passen und wenn Ektoparasiten und Futtermittelallergie ausgeschlossen wurden, dann sprechen wir von einer atopischen Dermatitis sensu stricto, das heisst einer Umweltallergie.

In diesem Fall raten wir bei länger dauernder Symptomatik und ab mittlerem Schweregrad zu einem Allergietest. Dieser dient dazu, diejenigen Allergene zu identifizieren, auf die der Hund allergisch reagiert.  Dazu stehen uns zwei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. 

Einerseits der Intrakutantest, bei dem  die Reaktion der Haut auf verschiedene Allergene getestet wird. Dabei werden bis zu vierzig Allergene in die Haut des Hundes an der seitlichen Brustwand injiziert. Die Reaktionen können innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten nach Injektion beurteilt werden.

Der Blutallergietest kommt dann zum Einsatz, wenn der Intrakutantest nicht praktikabel ist oder unklare Resultate liefert.

Dies ist meistens dann der Fall, wenn Hunde eine sehr stark veränderte Haut oder sehr starken Juckreiz haben, der das Absetzen von antipruritischen Medikamenten verbietet. Beim Bluttest werden Antikörper gegen die wichtigsten Allergene gemessen.

Wie wird eine Allergie beim Hund behandelt?

Das kommt in erster Linie darauf an, welche Symptome im Vordergrund stehen. Bei einem Heuschnupfen mit tränenden Augen können Augentropfen mit Antihistaminika Linderung  verschaffen.

Bei Juckreiz der Haut helfen in Abhängigkeit des Schweregrades Omega-3-Fettsäuren, Antihistaminika oder immunmodulierende Präparate wie Kortison, Oclacitinib oder Cyclosporin allein oder in Kombination.

Bei Allergiesymptomen über mehrere Monate sollte an eine Desensibilisierung gedacht werden. Diese hat zum Ziel, den Körper ganz langsam an die Allergene zu gewöhnen, welche die Allergie auslösen.

Mittels eines Allergietests werden die Allergie auslösenden Allergene eruiert und die Desensibilisierung basierend auf diesen Testresultaten individuell hergestellt.

Das Immunsystem wird bei der Desensibilisierung so beeinflusst, dass es bei Kontakt mit den Allergenen nicht mehr überreagiert. Für den Hundehalter bedeutet eine Desensibilisierung, dass er den Hund monatlich spritzen muss, dies in der Regel lebenslang.

Eine Allergie lässt sich leider in den meisten Fällen nicht heilen, eine Kontrolle der Symptome, sodass eine gute Lebensqualität von Besitzer und Tier gewährleistet sind, ist jedoch fast immer möglich.

Text: Anna Birkenmeier

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